Bischöfliche Kirchenmusikschule Essen besucht Sulzbach
Am 10.04.2026 kam besonderer Besuch nach Sulzbach. Neben den zahlreichen Interessierten, die während des Jahres sowohl die Kirche in Sulzbach als auch die STUMM-Stube besichtigen, ist der Besuch einer Ausbildungseinrichtung für Kirchenmusik eher selten.

Die Kooperation des STUMM-Orgelvereins mit international tätigen Hochschullehrern, die zu Studienzwecken oder zu einem Konzert kommen, ist in der gesamten Vereinsgeschichte eine gute Tradition. Weniger häufig werden sie von ihren Studierenden begleitet. Das scheint sich zu ändern. In den letzten Jahren kommt immer wieder die Anfrage, ob Orgelklassen oder Seminare sowohl etwas zur Familie und Werkstatt STUMM am Ursprungsort erfahren dürfen als auch die verschiedenen Orgeln spielen können, um das Spiel auf historischen Instrumenten kennenzulernen. Das Interesse ist ebenso auf andere historische Orgelbauer in anderen Regionen Deutschlands gerichtet. Aber zu STUMM ist Sulzbach mit dem Ensemble aus STUMM-Stube und der in der nebenstehenden Kirche befindlichen „Vorführorgel“ der Werkstatt von 1746 weltweit der einzige Ort, an dem zu diesem bedeutenden und zeitweilig europaweit führenden Orgelbau-Unternehmen mehr zu erfahren ist. Außerdem besitzt die STUMM-Stube eine selten aus dieser frühen Zeit zu findende Sammlung von originalen Werkzeugen.
Die Bischöfliche Kirchenmusikschule in Essen ist eine außergewöhnliche Einrichtung zur Erlangung eines kirchenmusikalischen Studienabschlusses. Seit wenigen Jahren wird dort erstmalig in Deutschland die Ausbildung für katholische und evangelische Kirchenmusik gemeinsam unterrichtet. Dieser Synergieeffekt bringt den Studierenden zahlreiche Vorteile. Unter den aktuellen Voraussetzungen in den Kirchen ist die Möglichkeit, übergreifend arbeiten zu können, ein sinnvolles und zunehmend notwendiges Angebot.

Die Gruppe aus Essen unter der Leitung des Schulleiters Jörg Stephan Vogel hatte sich ein strenges Konzept gegeben. In einer Werkwoche, die sie in der Landesmusikakademie Rheinland-Pfalz in Engers absolvierte, wurden zu den unterschiedlichen liturgischen Anlässen Gestaltungskonzepte erarbeitet und geübt. Zum Thema historischer Orgelbau und Spiel auf historischen Orgeln bot sich das Werk der Werkstatt STUMM an. So kamen die Teilnehmer auf einer Exkursion über Simmern und Rhaunen nach Sulzbach. In allen Kirchen befinden sich bedeutende Instrumente: in Simmern die Residenzorgel der Pfalzgrafen (1782), in Rhaunen die älteste datierte STUMM-Orgel (1723) und in Sulzbach die Vorführorgel der Werkstatt. In Simmern stand Christine Marx als Organistin und Kreiskantorin zur Seite. Sie begleitete die Gruppe auch während ihrer Stationen im Hunsrück. Neben Informationen zu den Instrumenten hatten die Studierenden Gelegenheit, die Besonderheiten der Instrumente mit eigenem Spiel zu erleben.

Zusammen mit Inge Klingels, Heiner Schneider und Wolfgang Fink stand eine Delegation des STUMM-Orgelvereins zur Verfügung, die die Gruppe in einem rollierenden System durch die Sulzbacher Kirche, den Ort mit den Wohn- und Produktionsstätten der STUMMs und die STUMM-Stube führte. Trotz des konzentrierten und unter Zeitdruck stehenden Besuchs entwickelten sich zahlreiche intensive Fragen und Gespräche zu den Orgeln, zum Orgelbau, zu den damaligen Lebens- und Arbeitsbedingungen etc., die weit über ein oberflächliches erstes Kennenlernen hinausgingen.
Der Ausflug endete mit der überraschenden Erkenntnis, dass im Hunsrück nicht nur eindrucksvoll historischer Orgelbau und Orgelspiel betrachtet werden können, sondern dass man von Essen aus auch an einen Ort gelangt ist, in dem die Eisenhütten-Dynastie STUMM ihren Ursprung nahm. Vertreter dieser Eisenhütten-Linie waren zeitweilig Mitbewerber von Krupp (Villa Hügel). Nachfahren sind bis heute im Aufsichtsrat eines überregional bedeutenden Unternehmens mit Hauptsitz in Essen vertreten.

