Orgelmatinée „À la française“ begeisterte in Rhaunen
Die Juli-Matinee in Rhaunen stellte der aus Singen am Bodensee angereiste Bezirkskantor Georg Koch unter das Thema „á la francais“. Denn die Rhauener Orgel von 1723 zitiert mit ihrer klanglichen Aussage französische Orgeltraditionen. Mit ihren sonoren Zungenregistern, dem Cornet und dem Terzchor könnte sie auch in Frankreich zuhause sein.
Tatsächlich zeigte Koch die ganze Klangpracht der Orgel mit eleganten und markanten Klangfarben klassische Kompositionen von Couperin, Clérambault und Dandrieu und man fühlte sich fast ins „Ancien Régime“ von Ludwig XIV zurückversetzt, wäre da nicht in der Musik von Claude Balbastre der Zeitenwechsel hörbar geworden: Balbastre rettete die Orgel nach der Revolution, indem er in Kirchen, nach der Revolution zum „Temple d’Esprit“ umgewidmet, auch die neuen Töne erklingen ließ und so vielfach Orgeln rettete. Georg Koch konnte all das den zahlreichen Zuhörern auch stilsicher vorführen.
In seiner kompetenten Erklärung seines Programm führte er jedoch auch die Schwierigkeiten auf, weil sich die eine französische Orgel doch von der Stumm-Orgel unterscheidet, hätte doch eine Orgel in der Größe von Rhaunen mindestens zwei Manuale, dafür keine Bassfunktion im Pedal, sodass die Passagen mit geteilten Registern (Trompette 8‘ in Bass und Diskant) leichter durchführbar seien.
So geriet die abwechslungsreiche Musik, wunderbar und spannend gespielt, zu einer kurzweiligen und interessanten Musikstunde, wie wir sie vielleicht gerne im Musikunterricht gehabt hätten.
Dr. Hans-Wolfgang Theobald
