Johannes Fankhauser und Jörg Kuhfuß – zwei musikalische Zugänge zu den „Goldenen Zwanzigern“

Bei unserer Kultursommer-Veranstaltung am 10. Oktober begegnen sich zwei sehr unterschiedliche musikalische Zugänge zu den „Goldenen Zwanzigern“.

Der Schweizer Organist Johannes Fankhauser begleitet Walter Ruttmanns Stummfilmklassiker Berlin – Die Sinfonie der Großstadt aus dem Jahr 1927 live auf der historischen STUMM-Orgel von 1893 in St. Martin Rhaunen.

Die Improvisation begleitet Fankhauser seit seiner Kindheit. Schon vor seiner Schulzeit improvisierte er auf Tasteninstrumenten. Zunächst studierte er Klavier, später wandte er sich zunehmend der Orgel zu. Im Benediktinerkloster Mariastein erhielt er früh Gelegenheit, regelmäßig zu spielen und seine Improvisationsgabe weiterzuentwickeln. Ab 2005 studierte er Orgel bei Guy Bovet und Komposition bei Balz Trümpy. 2008 schloss er sein Studium mit dem Konzertdiplom ab und wurde vom Basler Organistenverband mit dem Förderpreis der Hans-Balmer-Stiftung ausgezeichnet.

Die Wahl des Organisten ist für einen solchen Abend entscheidend: Die Musik soll nicht einfach neben dem Film erklingen, sondern im Augenblick aus Bildern, Bewegung, Rhythmus und Atmosphäre entstehen. Auf Johannes Fankhauser aufmerksam gemacht hat uns Johannes Geffert, der den STUMM-Orgelverein bereits mehrfach fachlich beraten hat. Geffert ist selbst ein profilierter Organist und Improvisator und war Professor an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Kirchenmusik Köln 2016 Hans-Wolfgang Theobald berichtet, dass Geffert Johannes Fankhauser für einen großartigen Improvisator hält und überzeugt ist, dass er Ruttmanns Film hervorragend begleiten wird.

Nach dem Stummfilmkonzert wechselt die Perspektive.

Beim anschließenden 20er-Jahre-Empfang steht mit Jörg Kuhfuß ein Musiker im Mittelpunkt, dessen Beschäftigung mit dieser Zeit weit über das Spielen alter Titel hinausgeht. Kuhfuß ist mit Musik von Schellackplatten aufgewachsen und sammelt diese bis heute in großem Umfang. Sein besonderes Interesse gilt dem frühen Jazz und der Unterhaltungsmusik der 1920er und 1930er Jahre.

1974 begann er während eines einjährigen Aufenthalts in Oklahoma Trompete zu spielen. Später wirkte er in verschiedenen Formationen mit und begann 1989 seine professionelle Laufbahn bei Rod Mason and his Hot Five. In dieser Zeit spielte er auf internationalen Jazzfestivals und musizierte unter anderem mit bekannten Vertretern der traditionellen Jazzszene. 1990 gründete er die Oklahoma Washboard Stompers, bei denen er als Bandleader, Trompeter und Sänger die Musik der frühen Jazzzeit bis heute lebendig hält.

In Rhaunen wird Kuhfuß allerdings nicht mit einer Band auftreten. Er bringt historische Schellackplatten und ein Grammophon mit und lässt damit die Musik der Zwanziger Jahre von den originalen Tonträgern ihrer Zeit erklingen. Zu den Aufnahmen erzählt er von der Musik, ihren Interpreten und ihrem zeitgeschichtlichen Umfeld.

Zwischen den Musikbeiträgen richtet sich der Blick immer wieder auf Rhaunen selbst. Heiko Theobald steuert kurze Geschichten und historische Schlaglichter aus dem Rhaunen der 1920er Jahre bei.

So begegnen sich an diesem Abend zwei ganz unterschiedliche musikalische Welten: zunächst die live entstehende Improvisation Johannes Fankhausers zu den Bildern des Berliner Großstadtfilms, anschließend die historischen Schellackaufnahmen Jörg Kuhfuß’ und Geschichten aus Rhaunen.

Das Stummfilmkonzert beginnt am Samstag, 10. Oktober, um 19:00 Uhr in der katholischen Kirche St. Martin in Rhaunen. Der 20er-Jahre-Empfang schließt sich ab etwa 20:30 Uhr im Gemeindehaus an der evangelischen Kirche an.

Mehr zur Veranstaltung und Anmeldung:
STUMM-Film mit STUMM-Orgel & 20er-Jahre-Empfang – STUMM-Orgelverein

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