Suche nach den klanglichen Besonderheiten der STUMM-Orgeln
Wolfgang Fink
Im April standen die STUMM-Orgel und die STUMM-Stube in Sulzbach im Mittelpunkt eines besonderen Besuchs. Es hatten sich der Kantor der ev. Kirchengemeinde in Koblenz-Karthause zusammen mit zwei Orgelbauern aus dem Nordschwarzwald angekündigt. Das Ziel ihrer Exkursion war, die besonderen Klangmöglichkeiten der STUMM-Orgeln kennenzulernen. Wo kann das besser erforscht werden als an der „Vorführorgel“ der Werkstatt STUMM in Sulzbach? Die Orgel in Sulzbach ist nämlich nicht nur ein Geschenk von Johann Michael STUMM an seine Heimatgemeinde: Sie bot mit ihren 23 Registern – ganz ungewöhnlich für kleine Dorfkirchen im Hunsrück – eine gute Gelegenheit, Besuchern der Werkstatt in Sulzbach die vielfältigen Klangmöglichkeiten der Instrumente dieser berühmten Orgelbauer-Dynastie vorzustellen.

Der Hintergrund des Interesses liegt in dem Bestreben der Kirchengemeinde in Koblenz, eine neue Orgel für ihr Gemeindezentrum zu erhalten. Dabei soll die neue Orgel aber keine Universalorgel werden, sondern in der Gesamtheit aller in Koblenz vorhandenen Orgeln eine Besonderheit anbieten. Man erinnerte sich, dass einst neun STUMM-Orgeln in Koblenz standen (u.a. St. Kastor, St. Florin, Liebfrauen, Schlosskapelle). Damit war Koblenz (neben Trier mit seinen 10 Instrumenten aus Sulzbach) der Standort mit der höchsten Dichte an Instrumenten aus dieser Werkstatt. Dieser Geschichte möchte man nun mit einer Einbeziehung STUMMscher Register und STUMMscher Klangmerkmale Rechnung tragen.

Der Kantor experimentierte mit Registerkombinationen und hörte sich Einzelregister und ihren Verschmelzungsgrad mit anderen Registern an. Immer wieder hörte man freudige und überraschte Äußerungen vom Spieltisch.
Die beiden Orgelbauer hörten interessiert zu, hatten sie doch die schwere Aufgabe, eine Auswahl von Registern zusammenzustellen, die sowohl dem Anspruch des Kantors gerecht werden würden als auch dem finanziellen und architektonischen Rahmen des Neubauauftrags.
Als sich eine Konzeption herausstellte, war ihnen an den Maßen der Pfeifen – den sog. Mensuren – dieser Register gelegen. Denn dadurch wird der Klang eines Registers bestimmt. Dabei kam ihnen das Dissertationsprojekt des Verfassers zugute: Die STUMM-Stube besitzt nämlich einen besonderen „Schatz“, die sog. Mensurtafeln aus der Werkstatt STUMM, auf denen solche Maße abgegriffen werden können. So konnten die Orgelbauer in einem sehr intensiven und fachlichen Gespräch mit dem Doktoranden Einblick in das „Klanggeheimnis“ der STUMMs gewinnen.
Mit diesem Besuch zeigen der STUMM-Orgelverein und der Standort Sulzbach einen weiteren wichtigen Schwerpunkt. Es gilt, nicht nur die Vorstellung der zahlreichen erhaltenen Instrumente aus der Werkstatt STUMM sicherzustellen, sondern auch dem Orgelbau und der Orgelforschung Grundlagen zur Verfügung zu stellen, die im nationalen und internationalen Rahmen eine bedeutende Rolle spielen.
