Nachlese zur Matinée am 1. August in Stipshausen

Sind die späten, oft kleineren Stumm-Orgeln wirklich weniger interessant? Der Bonner Organist Thiemo Dahmen widerlegte das bei seiner Matinée unter dem Motto „…con variazioni“. am 1. August in Stipshausen eindrucksvoll. Tatsächlich ist das Instrument von 1861 mit seinen 10 Registern nicht besonders groß, wurde sogar mehrfach in der wunderschönen Kirche von 1779 umgestellt. Es blieb so jedoch original erhalten und wurde lediglich 1984 mit einem neuen Gehäuse versehen. Aber uninteressant?

Thiemo Dahmen zeigte mit drei verschiedenen Variationen, wie vielseitig das Instrument ist. So zeigte die bekannte Partita von Johann Pachelbel über „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ die Klangvielfalt der Orgel, sowie die Beethoven-Variationen über ein Thema von Giovanni Paisiello, eigentlich ein brilliantes Klavierstück. Es klang letztlich farbiger als auf dem Klavier und zeigte so eine unbekannte Seite des Komponisten, der bekanntlich zunächst von der Orgel kam. Auch dritte „Block“ mit Variationen des zeitgenössischen Komponisten Hans Boelée über ein Thema von G.F. Händel passte wunderbar zur Orgel mit seinen warmen Grundstimmen.

Wie virtuos Thiemo Dahmen ist, bewies er mit zwei barocken Kompositionen von P. Isfried Kayser und dessen Ouverture in B-dur wie dem von J.S. Bach für die Orgel arrangierten Concerto in G-Dur seines „Arbeitgebers“ in Weimar, Prinz Ernst von Sachsen-Weimar. Dass sogar französische Orgelsymphonik auf der Orgel richtig gut klingt, führte der Solist mit der Toccata G-Dur von Theodore Dubois vor.

So gelang eine wunderbare Stunde mit Orgelmusik, mit viel Spaß interpretiert, von einem souveränen Könner auf der Stipshausener Stumm-Orgel, bei der die zahlreichen Besucher mit ihrem begeistertem Applaus noch mit einer Zugabe belohnt wurden – mit dem Liebeslied “Bist du bei mir“, das J.S. Bach seiner Frau im „Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach“ gewidmet hat.

Die nächste Matinée wird der Trierer Kirchenmusiker David Keller am 6. September um 11:00 Uhr in Meckenbach mit „Heiterer Orgelmusik“ gestalten. Dazu herzliche Einladung!

Hans-Wolfgang Theobald

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