Über 100 Besucher bei der Orgelmatinée in Rhaunen
Orgelkundefahrt der Mattheiser Sommer-Akademie machte Station an historischen STUMM-Orgeln in Rhaunen und Sulzbach
Rhaunen/Sulzbach. Historische Orgeln nicht nur hören, sondern ihre Bauweise, ihre Geschichte und ihre besonderen Klangfarben unmittelbar kennenlernen – dazu bot die Orgelkundefahrt der Mattheiser Sommer-Akademie am 3. Oktober reichlich Gelegenheit. Gemeinsam mit dem STUMM-Orgelverein führte sie zahlreiche Orgelfreunde zu Instrumenten Johann Michael Stumms. In Rhaunen und Sulzbach verbanden sich dabei musikalisches Erlebnis und intensive Beschäftigung mit der Geschichte der bedeutenden Orgelbauerfamilie.
Zur öffentlichen Orgelmatinée in der evangelischen Kirche Rhaunen kamen neben den rund 75 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Orgelkundefahrt etwa 40 weitere Gäste aus der Region. Damit erlebten mehr als 100 Besucher das Konzert an der historischen STUMM-Orgel.
Nach der Begrüßung durch Pfarrerin Anja Zimmermann hieß auch Stefan Huck, Vorsitzender des STUMM-Orgelvereins, die Gäste willkommen. Er erinnerte dabei an die besondere Verbindung des Leiters der Orgelkundefahrt, Prof. Udo Schneberger, mit der Geschichte der STUMM-Orgeln. Bereits in jungen Jahren hatte Schneberger in einer umfangreichen Facharbeit den Orgelbau im Nahe-Hunsrück-Raum am Beispiel der Orgelbauerfamilie STUMM untersucht und dabei historische Quellen ebenso ausgewertet wie die Instrumente selbst.
Die musikalische Gestaltung der Matinée übernahm der Schweizer Konzertorganist Leonard Schick. Ein Schwerpunkt seines Programms lag auf der Improvisation in historischen Stilen. So erklangen neben Werken von William Byrd und Louis Couperin Improvisationen im norddeutschen Stil des 17. Jahrhunderts sowie eine Partita über den Choral „Christus der ist mein Leben“ im mitteldeutschen Stil um 1720. Schick erläuterte dabei immer wieder sein Programm und bezog die besonderen klanglichen Möglichkeiten der Rhaunener Orgel in seine Ausführungen ein. Besonders eindrucksvoll demonstrierte er dabei auch den Klang des Prinzipal 4′, der in der historischen Registerbeschriftung als „Octav 4’“ bezeichnet ist.
Die Rhaunener Orgel gehört zu den frühen Werken Johann Michael Stumms. Ein in der Windlade erhaltenes Schriftstück weist ihn selbst als Erbauer aus und trägt die Jahreszahl 1723. Darin findet sich zugleich der Satz „Lobet den Herrn mit Saiten und mit Pfeifen“ – Worte, die Huck am Ende seiner Begrüßung aufgriff, bevor er die Orgel selbst „zu Wort kommen“ ließ.
Nach der Matinée und einer gemeinsamen Mittagspause in Rhaunen führte die Orgelkundefahrt weiter nach Sulzbach. Dort übernahm Udo Schneberger die ausführliche Vorstellung der Johann-Michael-STUMM-Orgel von 1746. Auch diese Orgelvorführung war öffentlich angekündigt; nur wenige zusätzliche Besucher fanden jedoch den Weg in die Kirche.
Schneberger erläuterte anschaulich und mit zahlreichen praktischen Beispielen die Entwicklung des Orgelbaus Johann Michael Stumms, konstruktive Besonderheiten seiner Instrumente und die Veränderungen, die der Orgelbauer im Laufe seiner Tätigkeit entwickelte. Dabei verwies er auch auf deutliche Parallelen zum Orgelbau Andreas Silbermanns. Ein direkter Einfluss lässt sich nach der Quellenlage zwar nicht sicher nachweisen, die stilistischen und technischen Bezüge seien jedoch deutlich erkennbar.
Eine besondere Bedeutung besitzt die Sulzbacher Orgel auch innerhalb des Lebenswerks Johann Michael Stumms: Sie ist das letzte Instrument, das noch zu seinen Lebzeiten vollendet wurde – und steht zugleich in seiner Heimatgemeinde. Mit zwei Manualen und 23 Registern war sie für die vergleichsweise kleine Kirche außergewöhnlich großzügig angelegt.
Zur Orgelkundefahrt hatte Schneberger ein eigenes Begleitheft zusammengestellt, in das Ergebnisse seiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit der Orgelbauerfamilie STUMM eingeflossen waren.
Von Sulzbach aus setzte die Reisegruppe ihre Fahrt an die Mosel fort, zur Stiftskirche St. Castor in Karden, heute ein Ortsteil von Treis-Karden. Von dort ging es anschließend zurück nach Bad Sobernheim.
Bei strahlendem Sonnenschein und spätsommerlichem Wetter fand damit ein Tag seinen Abschluss, der historische Forschung, lebendige Vermittlung und den unmittelbaren Klang der STUMM-Orgeln miteinander verband. SH

Plakat 3. Oktober 2026 _ Orgelstudienfahrt
